Wer Nürnberg zum ersten Mal besucht, kommt oft wegen der Kaiserburg oder des Christkindlesmarkts. Wer ein zweites Mal kommt, kommt wegen allem anderen. Die Stadt hat rund 520.000 Einwohner, ist zweitgrößte Stadt Bayerns und trägt gleichzeitig das Gewicht einer Geschichte, die von Glanz und tiefem Schatten geprägt ist. Beides prägt den Charakter des Orts bis heute, und genau das macht Nürnberg interessant.
Die Altstadt: kompakter als gedacht
Der historische Kern ist fußläufig erschlossen. Von der Kaiserburg bis zum Hauptmarkt sind es rund 700 Meter, vom Hauptmarkt bis zur Fleischbrücke keine fünf Minuten. Die mittelalterliche Stadtmauer mit ihren 80 Türmen ist größtenteils erhalten und lässt sich in Teilen begehen. Wer früh morgens kommt, also vor neun Uhr, erlebt die Gassen noch ohne die Reisegruppen, die sich ab Mittag durch die Engassen schieben.
Besonders sehenswert ist das Handwerkerhof-Areal direkt am Königstor. Hier haben sich Zinngießer, Puppenmacher und Lederhandwerker angesiedelt, keine Museumsinszenierung, sondern echtes Gewerbe. Ein Zinnkrug kostet dort zwischen 40 und 180 Euro, je nach Größe und Ziselierung. Das ist kein Souvenirladen, das ist Handwerk mit Preisschild.
Fränkische Küche: was man wirklich essen sollte
Die neun Nürnberger Rostbratwürste auf Kraut sind weltbekannt. Weniger bekannt ist, dass fränkische Küche deutlich mehr zu bieten hat. Schäufele, also geschmorte Schweineschulter, ist ein Klassiker, der in vielen Gasthäusern rund um den Hauptmarkt angeboten wird. Sauerbraten mit Lebkuchensauce ist eine Nürnberger Spezialität, die nirgendwo sonst in dieser Form vorkommt: die Sauce enthält tatsächlich zerbröselten Lebkuchen, was ihr eine leicht süßliche Tiefe gibt.
Wer Weinbars mag, sollte die Straße am Trödelmarkt entlanglaufen. Dort haben sich in den vergangenen Jahren mehrere kleine Lokale etabliert, die fränkischen Wein aus dem Bereich Stein bei Würzburg oder aus der Gegend um Klingenberg ausschenken. Silvaner und Müller-Thurgau, trocken ausgebaut, passen hervorragend zum deftigen Essen.
Nürnberg als Hochzeitsstadt
Was viele nicht wissen: Nürnberg hat sich in den letzten Jahren zu einer ernsthaften Anlaufstelle für Brautpaare entwickelt. Die Kulissen der Altstadt, die Pegnitz-Ufer und die restaurierten Innenhöfe bieten Fotomotive, die kaum ein Studio replizieren kann. Dazu kommt ein gewachsenes Angebot an Dienstleistern. Wer auf der Suche nach dem richtigen Kleid ist, findet bei Brautmoden Nürnberg | hochzeitsrausch einen Anlaufpunkt, der sich auf individuelle Beratung spezialisiert hat. Die Branche hat in Nürnberg Fahrt aufgenommen, nicht zuletzt weil die Stadt deutlich günstiger ist als München oder Frankfurt, bei vergleichbarer Infrastruktur.
Beliebte Hochzeitsorte sind unter anderem der Hirsvogelsaal im Pellerhaus, das Wasserschloss Mitwitz in der näheren Umgebung oder schlicht die Kaiserburg selbst, für standesamtliche Trauungen buchbar über das Stadtstandesamt. Wer rechtzeitig plant, also mindestens zwölf Monate im Voraus, hat reale Chancen auf diese Locations.
Kunst und Kreativszene: wenig bekannt, viel vorhanden
Das Kunsthaus Nürnberg im Stadtteil Gostenhof zeigt zeitgenössische Ausstellungen mit wechselnden nationalen und internationalen Positionen. Eintritt: 4 Euro regulär. Das Germanische Nationalmuseum ist mit über 1,3 Millionen Objekten das größte kulturhistorische Museum im deutschsprachigen Raum und wird von den meisten Besuchern in einem halben Tag nur angerissen. Mindestens ein ganzer Tag ist realistisch, wenn man die Abteilungen zu Spätmittelalter und früher Neuzeit ernsthaft durchwandern will.
Gostenhof selbst, kurz Gostho genannt, ist der Stadtteil, den man als Barometer für die Kreativszene nutzen kann. Ateliers, kleine Galerien und unabhängige Buchläden wechseln sich mit Wohnhäusern ab. Die Mieten sind im Vergleich zur Innenstadt noch moderat, weshalb sich dort auch junge Kunstschaffende halten können. Wer am Wochenende durch die Rothenburger Straße läuft, entdeckt fast immer einen Flohmarkt, eine Vernissage oder zumindest eine Tafel mit handgeschriebenen Hinweisen auf Kommendendes.
Raus aus der Stadt: Ausflüge in die Umgebung
Nürnberg liegt günstig. Der Fränkische Seenland-Verbund ist mit dem Auto in 40 bis 60 Minuten erreichbar. Der Brombachsee ist der größte der dortigen Badeseen, mit rund 650 Hektar Wasserfläche. Im Sommer ist er voll, unter der Woche und in der Nebensaison aber durchaus entspannend. Wer segelt oder paddelt, findet dort Verleihmöglichkeiten ohne große Vorplanung.
In Richtung Osten liegt Hersbruck, Ausgangspunkt für Wanderungen in die Hersbrucker Alb. Die Wege sind gut markiert, die Höhenmeter überschaubar. Eine klassische Runde führt von Hersbruck über den Höhenzug nach Happurg und zurück, rund 18 Kilometer, kaum Steigungen über 200 Höhenmeter. Für Familien mit Kindern geeignet, für routinierte Wanderer eher ein Aufwärmtag.
Praktische Eckdaten für den Besuch
- Anreise: Nürnberg Hauptbahnhof liegt im ICE-Netz, Fahrzeit aus München rund 70 Minuten.
- Unterkunft: Hotels im Preisbereich 80 bis 130 Euro pro Nacht finden sich in Bahnhofsnähe und im Bereich Gostenhof.
- Beste Reisezeit: April bis Juni und September bis Oktober, weniger Andrang als im Sommer oder zur Weihnachtsmarktzeit.
- Parken: Die P+R-Anlage Messe ist über die U-Bahn-Linie U1 direkt mit der Innenstadt verbunden, Tagesticket inklusive ÖPNV unter 10 Euro.
- Museums-Combo: Mit der NürnbergCard (25 Euro, 48 Stunden) sind über 30 Museen und der ÖPNV abgedeckt.
Nürnberg ist keine Stadt, die sich beim ersten Blick vollständig öffnet. Sie braucht ein zweites Hinschauen, manchmal ein drittes. Wer bereit ist, hinter die bekannten Anlaufpunkte zu schauen, findet eine Stadt mit echtem Eigensinn, solider Handwerkskultur und einer Lebendigkeit, die sich nicht inszeniert, sondern einfach da ist.