Wer einmal versucht hat, die Katze bei der Nachbarin abzugeben und dafür eine Absage kassiert hat, kennt das Dilemma: Entweder bleibt man zuhause, oder das Tier kommt mit. Für viele Tierhalter ist die zweite Option inzwischen die selbstverständlichere. Laut einer Umfrage des Deutschen Reiseverbands aus 2023 reisen rund 38 Prozent der Hundehalter mindestens einmal pro Jahr mit ihrem Tier. Bei Katzenhaltern liegt der Anteil deutlich niedriger, steigt aber. Der Wunsch ist verständlich, die Umsetzung braucht Planung.
Vorbereitung fängt Wochen vorher an
Der häufigste Fehler: zu kurz planen. Wer eine Woche vor Abreise anfängt, das Ferienhaus nach Haustierfreundlichkeit abzufragen, wird oft enttäuscht. Viele Unterkünfte haben begrenzte Kapazitäten für Tiere, verlangen Aufpreise zwischen 5 und 20 Euro pro Nacht oder schließen bestimmte Rassen ganz aus. Frühzeitig buchen zahlt sich aus.
Gleichzeitig sollte man das Tier selbst auf die Reise vorbereiten. Hunde, die selten im Auto mitfahren, können unter Übelkeit oder Unruhe leiden. Kurze Trainingsfahrten in den Wochen vor dem Urlaub helfen deutlich. Für Katzen gilt: Die Transportbox sollte nicht nur beim Tierarztbesuch auftauchen, sondern im Alltag als normaler Aufenthaltsort dienen, damit sie keine negativen Assoziationen hat.
Autofahrt: Sicherheit und Komfort
Im Auto gilt in Deutschland: Tiere müssen gesichert transportiert werden. Ungesicherte Tiere gelten als Ladung, ein ungesicherter Hund auf der Rückbank kann bei einem Aufprall mit 50 km/h eine Wucht von bis zu 30-fachem Körpergewicht entwickeln. Gängige Lösungen sind stabile Hundegitter im Kofferraum, zugelassene Transportboxen oder spezielle Gurtsysteme. Nicht alle Produkte halten, was sie versprechen: Die Stiftung Warentest hat mehrfach getestet und empfiehlt explizit crashgetestete Boxen oder Gurte mit TÜV-Zertifizierung.
Pausen alle zwei Stunden sind für Hunde Pflicht, nicht nur Kür. Katzen reisen besser in geschlossenen Boxen, die man im Schatten oder mit Klimaanlage kühlt. Wasser sollte immer zugänglich sein, Futter dagegen besser erst nach der Fahrt geben, um Übelkeit zu vermeiden.
Mit dem Zug oder Flugzeug reisen
Die Deutsche Bahn erlaubt kleine Tiere in geschlossenen Behältnissen kostenfrei, für größere Hunde gilt ein Ticket zum halben Kinderpreis. Wichtig: im ICE und IC sind Hunde zwar erlaubt, aber nicht alle Mitreisenden sind begeistert. Wer sensibel ist, bucht den Hundewagen oder wählt ruhigere Zugverbindungen abseits der Hauptreisezeiten.
Beim Fliegen wird es komplizierter. Kleine Hunde und Katzen dürfen in Kabinengröße oft als Handgepäck mitfliegen, wenn das Tier mitsamt Box unter etwa 8 Kilogramm bleibt. Größere Tiere müssen im Frachtraum reisen, was für das Tier erheblichen Stress bedeutet und mit Gesundheitsrisiken verbunden ist. Viele Tierärzte raten für Kurzstrecken zu Alternativen: lieber einen guten Tiersitter buchen oder auf Flugreisen ganz verzichten, wenn das Tier nicht daran gewöhnt ist.
Im Ausland: Einreiseregeln nicht unterschätzen
Wer mit Hund oder Katze in EU-Länder reist, benötigt einen EU-Heimtierausweis, einen gültigen Tollwutimpfschutz und einen Mikrochip. Das ist seit 2011 EU-weit Pflicht. Für viele Länder reicht das. Großbritannien hat nach dem Brexit eigene, deutlich strengere Regeln eingeführt: Tiergesundheitszertifikat, bestimmte Fristen zwischen Behandlung und Einreise, kein Heimtierausweis mehr gültig. Norwegen und Schweden verlangen zusätzlich eine Behandlung gegen den Fuchsbandwurm kurz vor der Einreise.
Für Nicht-EU-Länder wie die Türkei oder Marokko gelten abweichende Bestimmungen, die sich zudem ändern können. Der Tierarzt sollte spätestens acht Wochen vor Reisebeginn kontaktiert werden, damit alle Unterlagen rechtzeitig ausgestellt und beglaubigt sind.
Gute Quellen und Ausrüstung nutzen
Wer sich über tierfreundliche Ausrüstung, Futter für unterwegs oder Zubehör für die Reise informieren will, findet auf Seiten wie tierischefreude.de eine übersichtliche Auswahl mit konkreten Produktbeschreibungen. Gerade für Erstreisende mit Tier lohnt sich der Blick, bevor man im Baumarkt zu irgendeiner Plastikbox greift.
Zur Grundausstattung für jede Reise gehören:
- Impfausweis und Heimtierausweis im Original, nicht als Kopie
- Ausreichend gewohntes Futter für die gesamte Reisedauer, da Marken im Ausland oft nicht erhältlich sind
- Transportbox oder Sicherheitsgurt in geprüfter Qualität
- Faltbarer Wassernapf für Pausen und Ausflüge
- Erste-Hilfe-Set für Tiere, inkl. Zeckenzange und Wunddesinfektion
- Kontaktdaten eines Tierarztes am Zielort, idealerweise im Voraus herausgesucht
Am Zielort ankommen und ankern
Auch das Ankommen will gelernt sein. Tiere, besonders Katzen, brauchen Zeit, um sich in einer neuen Umgebung sicher zu fühlen. Katzen sollten in den ersten Stunden in einem ruhigen Zimmer bleiben, bevor sie die gesamte Unterkunft erkunden. Hunde profitieren davon, wenn sie sofort eine kurze Runde um das Ferienhaus drehen, um ihr neues Territorium zu beschnuppern.
Routinen helfen. Feste Fütterungszeiten, das gewohnte Körbchen aus dem Zuhause und vertraute Spielsachen reduzieren Stress spürbar. Wer das berücksichtigt, erlebt auch mit Tier einen echten Urlaub und kein Betreuungsprojekt auf Reisen.
Am Ende ist es wie bei vielen Dingen im Umgang mit Tieren: nicht die Ausnahme, sondern die Wiederholung macht es einfacher. Das zweite Mal mit dem Hund nach Südtirol fährt sich ganz anders als das erste. Und irgendwann fragt man sich, wie man früher überhaupt ohne ihn verreist ist.