Impfdübel: Pilze auf Baumstämmen im Garten ziehen

Wer einen Haufen alter Obstbaumschnitte, ein paar gefällte Laubbäume oder schlicht den nächsten Holzstapel im Garten hat, sitzt auf einer Möglichkeit, die kaum jemand kennt: Speisepilze ziehen, ohne Hochbeet, ohne Gewächshaus, ohne großen Aufwand. Die sogenannte Waldzucht mit Impfdübeln ist eine alte Kulturtechnik, die gerade wieder entdeckt wird. Und sie funktioniert erstaunlich zuverlässig, wenn man ein paar Grundregeln beachtet.

Was sind Impfdübel überhaupt?

Impfdübel sind kleine Holzstäbchen aus Buchenholz oder Birke, etwa 3 bis 4 cm lang und rund 8 mm im Durchmesser. Sie sind vollständig mit dem Myzel eines bestimmten Pilzes durchwachsen. Das Myzel ist das eigentliche Hauptorgan eines Pilzes, sein Geflecht aus feinen Fäden, das sich durch das Holz frisst und irgendwann Fruchtkörper treibt. Die Dübel werden in frisch geschlagene Baumstämme eingeschlagen, anschließend mit Wachs verschlossen, damit keine Konkurrenz-Pilze oder Schimmelpilze eindringen. Dann übernimmt die Natur.

Für Einsteiger empfehlen sich drei Pilzarten besonders: Shiitake (Lentinula edodes), Austernpilze (Pleurotus ostreatus) und der Igelstachelbart (Hericium erinaceus). Alle drei haben unterschiedliche Holzvorlieben, und alle drei sind im Handel gut verfügbar.

Das richtige Holz auswählen

Nicht jedes Holz eignet sich gleich gut. Shiitake liebt hartes Laubholz, vorzugsweise Eiche oder Buche. Austernpilze kommen mit fast allem zurecht, auch Pappel oder Weidenstämme funktionieren. Der Igelstachelbart bevorzugt Buche. Wichtig ist, dass das Holz frisch gefällt ist, also nicht länger als vier bis sechs Wochen gelagert wurde. Älteres Holz ist oft schon mit wilden Schimmelpilzen oder anderen Organismen besiedelt, die dem Myzel Konkurrenz machen.

Der Stamm sollte einen Durchmesser zwischen 10 und 30 cm haben. Zu dünne Stämme trocknen schnell aus, zu dicke dauern sehr lange, bis das Myzel sie vollständig besiedelt hat. Ideale Stücklängen liegen bei 80 bis 120 cm. Frische Rinde ist wichtig, sie schützt das Holz vor Austrocknung und vor Eindringlingen.

Beimpfen: Schritt für Schritt

Das Werkzeug ist überschaubar: ein Akkuschrauber oder eine Handbohrmaschine mit einem 8-mm-Holzbohrer, ein Hammer oder Gummihammer, ein Topf mit geschmolzenem Wachs (Bienenwachs oder einfaches Kerzenwachs) und ein Pinsel. Die Impfdübel selbst kauft man in Päckchen, häufig 100 Stück pro Einheit. Für einen einzelnen Stamm von etwa einem Meter Länge und 15 cm Durchmesser rechnet man grob mit 30 bis 50 Dübeln.

  • Löcher im Rautenmuster bohren, Abstand etwa 8 bis 10 cm in der Reihe, die Reihen versetzt, 5 cm Abstand zur Stirnseite
  • Dübel einschlagen, bis sie bündig mit der Rinde abschließen
  • Jedes Loch sofort mit flüssigem Wachs versiegeln, auch die Stirnseiten des Stamms
  • Stämme beschriften: Pilzart, Impfdatum, Holzsorte

Wer Qualitätsdübel sucht, findet ein gutes Sortiment bekannter Pilzarten zum Shop, der auf Waldzucht-Zubehör spezialisiert ist. Das Angebot reicht oft von Einzelpäckchen bis zu Starterpaketen mit allem, was man für den ersten Stamm braucht.

Lagerung und Pflege während der Brutzeit

Nach dem Beimpfen beginnt die sogenannte Brutphase. Das Myzel wächst ins Holz, das dauert je nach Pilzart, Holzsorte und Temperatur zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Shiitake auf Eiche braucht in der Regel 12 bis 18 Monate, Austernpilze auf Pappel oft schon nach sechs bis acht Monaten erste Fruchtkörper.

Die Stämme lagert man idealerweise halbschattig, geschützt vor direkter Sonne und starkem Wind. Zu viel Trockenheit stoppt das Myzelwachstum. Ein klassischer Platz ist unter Bäumen oder an einer Nordwand, aufgebockt auf Steinen oder Holzlatten, damit kein Dauerkontakt mit feuchtem Boden besteht. Bei längerer Trockenheit empfiehlt sich gelegentliches Wässern mit einem Gartenschlauch, zehn bis fünfzehn Minuten auf die Stämme einwirken lassen.

Die erste Ernte und was danach kommt

Wenn die Zeit gekommen ist, zeigen sich erste Fruchtkörper meist an den Stirnseiten oder unter der Rinde. Gerade Austernpilze schießen dann regelrecht heraus, manchmal über Nacht. Ein fertig bewachsener Shiitake-Stamm kann nach einem Regen oder einer Wässerung regelrecht explodieren, 500 Gramm bis über ein Kilogramm an einem Schub sind keine Seltenheit.

Nach der ersten Ernte legt man den Stamm für zwei bis drei Wochen beiseite, damit er sich erholen kann. Danach kann man den nächsten Schub provozieren, indem man den Stamm für 12 Stunden in kaltes Wasser taucht oder kräftig wässert. Dieses sogenannte Forcing funktioniert mehrfach pro Saison und über mehrere Jahre hinweg, solange das Holz nicht vollständig abgebaut ist.

Ein gut beimpfter Buchenstamm trägt oft drei bis fünf Jahre lang. Die Gesamternte über die Nutzungsdauer übersteigt das anfängliche Holzgewicht des Stamms um ein Vielfaches, weil der Pilz organische Substanz aufschließt und in Fruchtkörper umwandelt.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Der größte Fehler ist zu altes oder zu trockenes Holz beim Kauf. Wer nicht selbst fällt, sollte beim Holzkauf unbedingt nachfragen, wann der Baum geschlagen wurde. Zweiter häufiger Fehler: zu wenig Dübel pro Stamm. Wer spart, riskiert, dass sich andere Pilze die Lücken sichern, bevor das gewünschte Myzel ausreichend gewachsen ist. Dritter Klassiker: falscher Standort. Vollsonne trocknet die Stämme aus und hemmt das Wachstum deutlich, ein schattiger Platz mit guter Luftzirkulation ist die bessere Wahl.

Wer diese drei Punkte beherzigt, hat gute Chancen auf eine Ernte, die den Aufwand mehr als rechtfertigt. Waldzucht ist kein Schnellprojekt, aber eines, das über Jahre hinweg Früchte trägt, buchstäblich.

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Über den Autor

Markus Weber

Markus Weber ist freier Naturfotograf und Reiseblogger aus dem Schwarzwald. Der 38-jährige hat in den vergangenen zehn Jahren die schönsten Naturlandschaften Deutschlands bereist und dokumentiert. Mit seiner Kamera fängt er die stille Schönheit von Wäldern, Bergen und Flusslandschaften ein. Für Ländlich Fein schreibt er über Wanderrouten, versteckte Naturjuwelen und die besten Ausflugstipps für naturverbundene Reisende. Sein Ziel: Menschen die Natur vor der Haustür nahebringen und für Naturschutz begeistern.

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