Gerätebenzin für Motorsäge und Rasenmäher

Wer im Frühjahr die Motorsäge aus dem Schuppen holt und den Rasenmäher zum ersten Mal anwirft, denkt selten über den Kraftstoff nach. Benzin ist Benzin, so die verbreitete Annahme. Doch genau diese Gleichgültigkeit führt jedes Jahr zu Vergaser-Schäden, hartem Startverhalten und im schlimmsten Fall zu einem Motorschaden, der teurer ist als das Gerät selbst.

Was Gerätebenzin von normalem Superbenzin unterscheidet

An der Tankstelle gibt es seit Jahren Benzin mit Ethanol-Beimischung. E10 enthält bis zu 10 Prozent Ethanol, Super E5 immerhin noch 5 Prozent. Für das Auto im Alltag ist das unproblematisch. Für Zweitaktmotoren in Motorsägen oder Viertaktmotoren in Rasenmähern ist es ein echtes Problem.

Ethanol zieht Feuchtigkeit aus der Luft. In einem Kraftstofftank, der wochenlang steht, beginnt das Benzin-Ethanol-Gemisch zu entmischen. Es bilden sich Ablagerungen, die Vergaserdüsen verstopfen. Hinzu kommt: Ethanol greift Gummidichtungen und Kunststoffschläuche an, die in älteren Gartengeräten verbaut sind. Hersteller wie Stihl, Husqvarna oder Honda empfehlen deshalb in ihren Handbüchern ausdrücklich alkoholfreies Benzin.

Gerätebenzin, auch als Alkylatbenzin oder Sonderkraftstoff bezeichnet, ist genau das: Es enthält kein Ethanol, kaum aromatische Kohlenwasserstoffe und ist deutlich langzeitstabiler als handelsübliches Tankstellenbenzin. Es verbrennt sauberer, hinterlässt weniger Rückstände im Vergaser und bleibt bei sachgemäßer Lagerung bis zu zwei Jahre stabil.

Für welche Geräte Gerätebenzin sinnvoll ist

Die kurze Antwort: für fast alle Gartengeräte mit Verbrennungsmotor. Konkret profitieren davon:

  • Motorsägen (Zweitakter, Gemisch aus Benzin und Zweitaktöl)
  • Rasenmäher mit Benzinmotor (meist Viertakter, kein Ölgemisch nötig)
  • Freischneider und Motorsensen (Zweitakter)
  • Laubbläser mit Verbrennungsmotor
  • Stromgeneratoren, die saisonal oder als Notfallreserve genutzt werden
  • Motorpumpen für Brunnen oder Bewässerung

Besonders bei Geräten, die nur wenige Stunden im Jahr laufen, lohnt sich die Umstellung. Der Kraftstoff steht hier oft monatelang im Tank. Normales Superbenzin altert dabei messbar: Nach 30 Tagen sinkt der Siedepunkt, nach 60 Tagen beginnen Harzablagerungen. Alkylatbenzin zeigt diesen Alterungsprozess kaum.

Mischungsverhältnisse beim Zweitakter richtig berechnen

Motorsägen und Freischneider brauchen ein Benzin-Öl-Gemisch. Das Verhältnis ist je nach Hersteller und Gerätegeneration unterschiedlich. Gängige Angaben sind 1:50 (also 20 ml Zweitaktöl auf 1 Liter Benzin) oder 1:25 (40 ml auf 1 Liter). Das steht in der Bedienungsanleitung und sollte nicht geschätzt werden, weil ein zu mageres Gemisch zu Fressern führt und ein zu fettes Gemisch Ablagerungen erzeugt und die Leistung drückt.

Wer Alkylatbenzin kauft, findet es häufig als Fertiggemisch: Hersteller wie Aspen bieten beispielsweise „Aspen 2“ als fertiges Zweitaktgemisch und „Aspen 4“ als reines Benzin für Viertakter an. Das erspart die Fehlerquelle beim Mischen. Wer selbst mischt, nimmt am besten einen sauberen Messbecher und mischt immer frisch, statt große Mengen auf Vorrat anzulegen.

Einen guten Überblick über verschiedene Sonderkraftstoffe, ihre Eignung und Unterschiede liefert dieser Ratgeber zu Sonderkraftstoff für Gartengeräte, der die gängigen Produkte sachlich einordnet.

Lagerung: Was viele falsch machen

Der Kraftstoff ist gekauft, der Kanister steht im Schuppen. Soweit so gut. Aber auch Alkylatbenzin braucht vernünftige Lagerbedingungen, damit die langen Haltbarkeitsversprechen der Hersteller eingehalten werden.

Wichtigste Regel: dicht verschlossener, zugelassener Kraftstoffkanister, möglichst aus Metall oder geprüftem Kunststoff (UN-Zulassung beachten). Kunststoffkanister ohne Zulassung sind gasdurchlässig. Das Benzin verdunstet langsam, und die Zusammensetzung verändert sich. Temperaturschwankungen beschleunigen diesen Prozess.

Ein kühler, trockener Raum mit stabilen Temperaturen zwischen 5 und 20 Grad ist ideal. Direktes Sonnenlicht und Nähe zu Heizkörpern oder Warmwasserboilern sind zu vermeiden. Der Lagerraum muss ausreichend belüftet sein, da Benzindämpfe schwerer als Luft sind und sich am Boden sammeln können.

Für den Heimbereich gilt laut Gefahrstoffverordnung: Privatpersonen dürfen bis zu 20 Liter brennbare Flüssigkeiten im Haushalt lagern, davon maximal 20 Liter in Gebäuden. Wer also zwei Fünf-Liter-Kanister im Schuppen hat, ist auf der sicheren Seite.

Preis und Wirtschaftlichkeit

Alkylatbenzin ist teurer als Tankstellenbenzin. Ein Liter Aspen oder Husqvarna XP kostet im Fachhandel zwischen 3,50 und 5,00 Euro. Im Vergleich: Super E5 liegt derzeit bei etwa 1,70 bis 1,90 Euro pro Liter. Der Unterschied ist real.

Rechnet man jedoch die Kosten eines Vergaserschadens dagegen, relativiert sich das schnell. Eine Vergaserreinigung beim Fachhändler kostet zwischen 80 und 150 Euro. Ein neuer Vergaser für eine Mittelklasse-Motorsäge liegt bei 50 bis 120 Euro, plus Einbau. Wer eine Motorsäge für 400 Euro kauft und sie mit Alkylatbenzin betreibt, schützt seine Investition mit überschaubarem Mehraufwand.

Für Rasenmäher gilt dasselbe Argument, hinzu kommt noch ein anderer Aspekt: Alkylatbenzin verbrennt deutlich schadstoffärmer. Es enthält keine Aromaten wie Benzol und Toluol, die bei normalem Benzin in die Abgase übergehen. Wer stundenlang mit dem Freischneider arbeitet, atmet deutlich weniger Schadstoffe ein. Das ist kein Marketingargument, sondern ein messbarer Unterschied, den Arbeitsschutzverbände seit Jahren dokumentieren.

Umstellung auf Alkylatbenzin: Schritt für Schritt

Wer von Tankstellenbenzin auf Sonderkraftstoff wechseln möchte, muss nicht zwingend den Tank restlos leeren. Bei Viertaktern reicht es oft, den vorhandenen Kraftstoff zu verbrauchen und dann auf Alkylatbenzin umzustellen. Bei älteren Geräten, die schon Startschwierigkeiten zeigen, empfiehlt sich vorher eine Vergaserreinigung.

Bei Zweitaktern sollte man das neue Gemisch von Anfang an sauber ansetzen und nicht altes Gemisch mit neuem Kraftstoff auffüllen. Gebrauchtes Zweitaktgemisch, das älter als vier Wochen ist, gehört zur Schadstoffsammlung, nicht zurück in den Tank.

Ein praktischer Tipp zum Saisonabschluss: Tank nicht komplett leeren und dann monatelang trocken stehen lassen. Restbenzin im Tank hinterlässt Harzrückstände, während ein vollständig gefüllter Tank mit Alkylatbenzin problemlos durch den Winter kommt. Wer das beherzigt, zieht im Frühjahr einmal an der Startleine und der Motor springt an.

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Über den Autor

Markus Weber

Markus Weber ist freier Naturfotograf und Reiseblogger aus dem Schwarzwald. Der 38-jährige hat in den vergangenen zehn Jahren die schönsten Naturlandschaften Deutschlands bereist und dokumentiert. Mit seiner Kamera fängt er die stille Schönheit von Wäldern, Bergen und Flusslandschaften ein. Für Ländlich Fein schreibt er über Wanderrouten, versteckte Naturjuwelen und die besten Ausflugstipps für naturverbundene Reisende. Sein Ziel: Menschen die Natur vor der Haustür nahebringen und für Naturschutz begeistern.

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