Englischer Garten München: Natur, Geschichte, Monopteros

Es gibt Orte, die auf dem Papier nach Massentourismus klingen und einen dann doch überraschen. Der Englische Garten in München ist so ein Ort. Mit einer Fläche von rund 375 Hektar ist er größer als der Central Park in New York und zieht jährlich über vier Millionen Besucher an. Trotzdem findet man hier, wenn man die richtigen Wege kennt, Stellen, an denen man an einem Dienstagvormittag fast allein ist.

Ein Park mit einer ungewöhnlichen Geschichte

Angelegt wurde der Park ab 1789, auf Initiative des amerikanisch-britischen Generals und Physikers Benjamin Thompson, der später als Graf Rumford geadelt wurde. Zusammen mit dem Hofgartendirektor Friedrich Ludwig von Sckell entstand hier einer der ersten öffentlichen Landschaftsparks Europas. Der Name „Englischer Garten“ leitet sich vom damals modernen englischen Landschaftsstil ab, der auf geschwungene Wege, natürlich wirkende Gehölze und offene Wiesen setzte, statt auf die symmetrischen Beete französischer Barockgärten.

Was viele nicht wissen: Der Park war von Beginn an für alle Bevölkerungsschichten gedacht, nicht nur für den Adel. Das war für das ausgehende 18. Jahrhundert ein echtes Statement. Wer durch den Garten spaziert, spaziert also durch ein Stück aufklärerische Stadtgeschichte.

Mehr als Surfer und Biergarten

Das Bild, das die meisten von diesem Park haben, besteht aus zwei Elementen: den Surfern am Eisbach und dem Chinesischen Turm mit seinem Biergarten. Beides ist real, beides ist sehenswert. Der stehende Weidgang am Eisbach-Kanal nahe der Prinzregentenstraße ist tatsächlich eine der seltsamsten und gleichzeitig faszinierendsten Stadtszenen Bayerns. Täglich reihen sich hier Surfer in einer Warteschlange auf, um auf einer künstlichen Flusswelle im Herzen Münchens ein paar Sekunden zu surfen.

Aber der Park hat weit mehr zu bieten. Das Aumeister-Wirtshaus im Nordteil zieht kaum Touristen, dafür viele Einheimische. Der Kleinhesseloher See mit seinen Ruderbooten ist besonders an Frühlingstagen eine günstige Alternative zum überfüllten südlichen Teil. Und wer Ruhe sucht, findet sie im nördlichen Parkabschnitt jenseits des Mittleren Rings, wo die Wege breiter werden und die Menschenmassen merklich abnehmen.

Der Monopteros: mehr als eine Aussichtsplattform

Wer den Englischen Garten einmal von oben sehen möchte, ohne einen Berg besteigen zu müssen, steuert den Monopteros an. Der runde Tempelbau aus dem Jahr 1838 steht auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel und ist vom Architekten Leo von Klenze entworfen worden, dem gleichen Mann, der auch die Glyptothek und die Propyläen am Königsplatz baute. Zehn ionische Säulen tragen ein konisches Dach, darunter öffnet sich ein freier Blick über die Baumwipfel bis hin zur Stadtsilhouette mit Frauenkirche und Olympiaturm.

Der Monopteros München ist mehr als eine architektonische Landmarke. Er markiert einen Ruhepunkt im Park, an dem sich Besucher aus sehr unterschiedlichen Gründen treffen: Tagesausflügler, Münchner mit Frühstückskorb, Pärchen, Schulklassen und ab und zu auch jemand, der einfach dasitzt und ins Grüne schaut. Die Hügelwiese darunter ist einer der wenigen Orte im Park, an dem auch an belebten Sommertagen noch Platz auf dem Gras zu finden ist.

Baulich ist der Monopteros übrigens ein echtes Kuriosum: Er hat keinen Innenraum im klassischen Sinne, ist offen und rundum zugänglich. Das Fundament enthält eine künstliche Ruine, die den romantischen Charakter der Anlage unterstreichen sollte, ein typisches Gestaltungsmittel der Landschaftspark-Epoche.

Praktische Hinweise für den Besuch

Der Park ist ganzjährig frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Anreise mit dem ÖPNV ist die klar sinnvollere Wahl: Die U-Bahn-Linie U3 und U6 hält an der Station Universität, von dort sind es zu Fuß rund zehn Minuten bis zum südlichen Eingang. Wer den Chinesischen Turm ansteuert, nimmt die U3 bis Münchner Freiheit oder den Bus 54 direkt zum Biergarten.

  • Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst, wenn die Wiesenflächen weniger überlaufen sind und das Licht besonders gut ist
  • Frühaufsteher-Tipp: Vor 9 Uhr morgens ist der Park auch im Sommer überraschend leer
  • Hunde: Erlaubt, in bestimmten Bereichen an der Leine
  • Fahrräder: Verleih möglich, im Park auf ausgewiesenen Wegen
  • Parken: Schwierig und teuer, Tiefgaragen in der Umgebung sind schnell voll

Was man kombinieren kann

Der Englische Garten liegt günstig zu mehreren anderen Sehenswürdigkeiten. Das Haus der Kunst direkt am Südeingang zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Das Bayerische Nationalmuseum ist zu Fuß in fünf Minuten erreichbar. Und die Maximilianstraße mit ihren Läden und Cafés beginnt ebenfalls unweit des Parkentrances an der Prinzregentenstraße.

Wer den Besuch mit einem längeren Aufenthalt in München verbindet, kann auch eine Kombination mit dem Nymphenburger Park im Westen der Stadt in Betracht ziehen. Beide Parks haben unterschiedliche Charaktere: Der Englische Garten ist wilder und unregelmäßiger, Nymphenburg streng und symmetrisch. Zusammen ergeben sie ein gutes Bild davon, wie unterschiedlich Parkgestaltung im 18. und 19. Jahrhundert gedacht werden konnte.

Ein Ort, der mehr hält als er verspricht

Viele Ausflugsziele werden in Reiseführern größer gemacht als sie sind. Beim Englischen Garten verhält es sich umgekehrt. Die Zahlen klingen beeindruckend, aber das Erlebnis selbst ist konkreter und stiller als erwartet. Ein Nachmittag auf der Wiese unterhalb des Monopteros, mit Blick auf die Türme der Stadt und dem Rauschen der Bäume im Hintergrund, ist etwas, das man nicht so schnell vergisst. Und dafür muss man nicht weit fahren, zumindest wenn man in Bayern lebt.

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Über den Autor

Markus Weber

Markus Weber ist freier Naturfotograf und Reiseblogger aus dem Schwarzwald. Der 38-jährige hat in den vergangenen zehn Jahren die schönsten Naturlandschaften Deutschlands bereist und dokumentiert. Mit seiner Kamera fängt er die stille Schönheit von Wäldern, Bergen und Flusslandschaften ein. Für Ländlich Fein schreibt er über Wanderrouten, versteckte Naturjuwelen und die besten Ausflugstipps für naturverbundene Reisende. Sein Ziel: Menschen die Natur vor der Haustür nahebringen und für Naturschutz begeistern.

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