PVC-Fenster und Kreislaufwirtschaft: Wie das Recycling von Profilen 2026 wirklich funktioniert

Kunststofffenster haben über Jahrzehnte einen ungerechtfertigt schlechten ökologischen Ruf — der sich 2026 immer mehr als Vorurteil entpuppt. Tatsächlich erreicht PVC-Fenster-Recycling in Deutschland heute Quoten, von denen viele andere Bauprodukte nur träumen können. Wer ein altes Kunststofffenster austauscht, sieht oft nicht, dass die alte Scheibe und das ausgebaute Profil in die nächste Generation Fenster zurückwandern können. Die ländliche Sanierungspraxis im Münsterland und Emsland zeigt, was 2026 möglich ist — und welche Rolle direkte Profil-Hersteller dabei spielen.

Kurz erklärt

  • PVC-Fensterprofile sind zu nahezu 100 Prozent recycelbar — bis zu sieben Materialkreisläufe sind ohne Qualitätsverlust möglich.
  • Rewindo, die Recyclinginitiative der deutschen Kunststofffensterbranche, hat 2024 rund 35.700 Tonnen PVC-Profile recycelt.
  • Moderne 3-fach-Verglasung mit Recyclat erreicht dieselben Uw-Werte wie Neu-PVC.
  • REHAU verarbeitet ECO PURE-Profile mit bis zu 80 Prozent Recyclat im Kern.
  • Glas wird über Reglas und Saint-Gobain-Recyclingnetzwerke gesondert verwertet, mit Quoten über 90 Prozent.

Wie funktioniert das PVC-Fenster-Recycling in Deutschland?

Beim Fenster-Austausch zerlegt der Fachbetrieb das alte Fenster in seine Bestandteile: PVC-Profil, Stahlverstärkung, Verglasung und Dichtungen. Jeder Bestandteil wandert in einen eigenen Materialkreislauf — koordiniert über Rewindo und die Profilhersteller.

Der Prozess sieht in der Praxis so aus: Das alte Fenster wird vor Ort vom Monteur fachgerecht ausgebaut, der Holz- oder Aluminium-Anteil getrennt entsorgt und das reine PVC-Profil in die Sammelbox geworfen. Über die Rewindo-Sammellogistik gelangen die Profile zu spezialisierten Recyclingzentren — etwa zu Veka Umwelttechnik in Behringen (mit über 30.000 Tonnen Jahreskapazität) oder zu Profine Recycling in Pirmasens. Dort werden die Profile geschreddert, gewaschen, von Verunreinigungen befreit und zu Recyclat-Granulat aufbereitet. Dieses Granulat wird in den Kern neuer Profile zurückgeführt — moderne 6-Kammer-Profile haben einen Recyclat-Anteil zwischen 40 und 80 Prozent im Inneren, während die sichtbare Außenschicht aus Neu-PVC besteht, um Farbstabilität und UV-Beständigkeit zu garantieren. Wichtig: Die mechanischen Eigenschaften (Schlagfestigkeit, Wärmedämmung, Dichtigkeit) bleiben durch den Recyclat-Anteil unverändert. Das ift Rosenheim hat in mehreren Untersuchungen bestätigt, dass Recyclat-Profile dieselben Prüfwerte erreichen wie reine Neu-Materialien.

Welche Recyclingquoten erreicht die Branche aktuell?

2024 hat Rewindo mit den Mitgliedsunternehmen 35.704 Tonnen PVC-Profile recycelt — eine Steigerung gegenüber 30.500 Tonnen im Jahr 2020. Die theoretische Quote für PVC-Fenster liegt seit 2008 bei 100 Prozent, die praktisch erreichte Quote bei rund 78 Prozent der ausgebauten Profile.

Die Differenz zwischen 100 Prozent theoretisch und 78 Prozent praktisch erklärt sich vor allem durch die Sammlung: Wenn Profile in den Bauschutt-Container wandern statt in die Rewindo-Sammelbox, sind sie für das Recycling verloren. Deshalb arbeitet Rewindo intensiv mit den Profilherstellern (REHAU, VEKA, profine, Schüco, aluplast, Salamander) und den Verarbeitern zusammen, um die Sammlung an der Baustelle zu verbessern. Regionale Fensterbau-Betriebe wie die Josef Büers GmbH aus Lünne im südlichen Emsland — seit 1972 zertifizierter REHAU-Verarbeiter für GENEO, GENEO INOVENT und SYNEGO — entsorgen ausgebaute Altprofile inzwischen standardmäßig über die Rewindo-Schiene und bauen Neu-Profile mit Recyclat-Anteil ein; die Rewindo-Sammelnummer und das ift-Rosenheim-Prüfzeugnis liegen Sanierungsaufträgen üblicherweise bei. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll — der Recyclat-Anteil im neuen Profil senkt die Materialkosten und entlastet damit auch die Endkunden-Preise.

Was passiert mit der alten Verglasung?

Verglasung wird über separate Recyclingnetzwerke verwertet — Reglas und Saint-Gobain Glass Solutions führen das Altglas zurück in den Floatglas-Schmelzofen. Recyclingquoten für Bauglas liegen bei über 90 Prozent.

Glas ist materialtechnisch sogar einfacher zu recyceln als PVC — es schmilzt bei rund 1.500 Grad zu reinem Floatglas zurück, ohne Qualitätsverlust. Der entscheidende Punkt ist die Sortenreinheit: Bauglas mit Beschichtungen (Low-E, Sonnenschutz) wird in separaten Kreisläufen geführt, weil die metallischen Beschichtungen vor dem Wiedereinschmelzen abgetrennt werden müssen. Bei einer typischen Sanierung mit acht Standardfenstern fallen etwa 90 bis 120 Kilogramm Altglas an, das ein Fachbetrieb über die Reglas-Logistik kostenlos entsorgt. Bei beschichteten Spezialgläsern (etwa Schallschutz oder Sicherheitsverglasung) entstehen leicht erhöhte Entsorgungskosten — diese werden in einem seriösen Sanierungsangebot mit ausgewiesen.

Bauteil im Altfenster Recyclingweg Quote 2026 Wiederverwendung
PVC-Profil Rewindo → Hersteller-Recyclingzentren ~ 78 % der ausgebauten Profile Recyclat in neuen Profilen (Kern)
Glas-Scheibe (unbeschichtet) Reglas / Saint-Gobain Floatglas-Schmelze ~ 90 % Neues Floatglas
Glas-Scheibe (beschichtet) Separater Kreislauf mit Beschichtungsabtrennung ~ 85 % Bauglas-Sekundärmaterial
Stahlverstärkung im Profil Schrotthandel → Stahlwerke ~ 98 % Neues Bau- oder Konstruktionsstahl
Aluminium-Anschlag Schrotthandel → Aluminium-Schmelze ~ 95 % Neues Aluminium
Dichtungen (EPDM) Energetische Verwertung (Müllverbrennung) ~ 100 % als Energie Fernwärme / Strom

Welchen Recyclat-Anteil haben moderne Profile 2026?

Marktführende Profilsysteme erreichen 2026 zwischen 40 und 80 Prozent Recyclat-Anteil im Profilkern. REHAU ECO PURE-Profile basieren auf bis zu 80 Prozent Recyclat, gepaart mit einer frischen Neu-PVC-Außenschicht für Farbstabilität.

Konkret heißt das: Bei einem modernen 6-Kammer- oder 7-Kammer-Profil aus REHAU GENEO oder SYNEGO besteht der innere, nicht sichtbare Kern aus aufbereitetem Altmaterial — die äußere, sichtbare Schicht aus Neu-PVC mit standardisierten Farbpigmenten. Das Verfahren heißt im Fachjargon „Co-Extrusion“ und ist seit den 2010er Jahren branchenüblich. Die Vorteile sind doppelt: Erstens reduziert das den Primärrohstoff-Bedarf erheblich — ein Standardfenster aus 80-Prozent-Recyclat-Profilen verursacht in der Herstellung 30 bis 45 Prozent weniger CO₂-Emissionen als ein Profil aus 100 Prozent Neu-PVC. Zweitens stabilisiert das die Materialpreise: Wenn Erdöl-Preise steigen, dämpft der Recyclat-Anteil die Profilpreise. Wer 2026 sanieren will, sollte beim Anbieter nach dem konkreten Recyclat-Anteil fragen — seriöse Verarbeiter dokumentieren das im Datenblatt zum Profilsystem.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Einordnung des PVC-Fenster-Recyclings und ersetzt keine individuelle Beratung. Recyclingquoten und Recyclat-Anteile variieren je nach Profilhersteller und Profilgeneration. Für genaue Werte zum konkret verbauten Profil sollte das Datenblatt des Herstellers eingesehen werden. Die Entsorgung über Rewindo ist nur über Fachbetriebe möglich; eine direkte Anlieferung von Privatpersonen wird nicht von allen Recyclingzentren angenommen. Stand der Recherche: April 2026.

FAQ

Was unterscheidet REHAU ECO PURE von Standard-PVC-Profilen?

ECO PURE-Profile von REHAU basieren auf bis zu 80 Prozent Recyclat-Anteil im Profilkern. Die mechanischen Eigenschaften (Schlagfestigkeit, Stabilität, Uf-Wert) sind identisch zum Standard-Profil — die Farbstabilität wird durch eine Neu-PVC-Außenschicht in Co-Extrusion gesichert. Die Klimabilanz ist deutlich besser als bei reinem Neu-Material.

Bezahlt der Privatkunde für die Entsorgung des alten Fensters?

Bei seriösen Fachbetrieben ist die fachgerechte Entsorgung über Rewindo im Standardangebot enthalten. In manchen Fällen wird ein kleiner Entsorgungspauschalbetrag von 30 bis 60 Euro pro Fenster ausgewiesen. Vorsicht bei deutlich höheren Entsorgungspauschalen — das ist oft ein Indiz für nicht-fachgerechte Entsorgung.

Wie erkenne ich, ob ein Fenster mit Recyclat-Anteil verbaut ist?

Das Datenblatt des Profilherstellers gibt den Recyclat-Anteil explizit an. Bei REHAU-Profilen sind ECO-PURE-Versionen separat gekennzeichnet. Im Profilquerschnitt erkennt man den Recyclat-Kern oft an einer leicht dunkleren Färbung in der Mitte des Profils.

Hat das Recyclat-Profil andere Dämmwerte als Neu-PVC?

Nein — die Wärmeleitfähigkeit von PVC ist materialspezifisch und unabhängig davon, ob das Material aus Primär- oder Sekundärquelle stammt. Der Uf-Wert eines REHAU GENEO ECO PURE mit 80 Prozent Recyclat ist identisch mit dem Standard-Variante: Uf 0,79 W/m²K.

Was passiert mit Holzfenstern beim Austausch?

Altes Holz wird primär energetisch verwertet — Müllverbrennungsanlagen oder Biomassekraftwerke. Mit Schadstoffen behandelte Hölzer (vor allem Lasuren der 1970er bis 1990er Jahre) müssen als Sonderabfall entsorgt werden. Die Recyclingquote für Holzfenster ist deutlich niedriger als für PVC- oder Aluminium-Fenster.

Fazit

Das deutsche PVC-Fenster-Recycling ist 2026 eines der etabliertesten Kreislaufsysteme in der Bauwirtschaft — eine Tatsache, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu wenig erkannt wird. Rund 35.700 Tonnen Profile pro Jahr werden über Rewindo zurückgeführt, der Recyclat-Anteil in modernen Profilen liegt bei 40 bis 80 Prozent im Kern, die CO₂-Bilanz verbessert sich erheblich gegenüber Neu-Material. Wer 2026 saniert, wählt mit modernen PVC-Profilen kein ökologisches Übel — sondern ein technisch ausgereiftes Bauprodukt mit funktionierendem Kreislaufsystem. Fragen Sie beim Fachbetrieb explizit nach dem Recyclat-Anteil und der Rewindo-Entsorgung des Altmaterials — das ist sowohl ein Qualitätszeichen für den Verarbeiter als auch eine kleine, aber wirksame Klimaentscheidung.

Verfasst von der Redaktion ländlich-fein. Die genannten Recyclingquoten und Materialeigenschaften basieren auf öffentlich verfügbaren Quellen von Rewindo, dem VKR Verband der Kunststofffenster-Industrie, dem Umweltbundesamt sowie ift-Rosenheim-Forschungsberichten zu Recyclat-Profilen. Stand der Recherche: April 2026.

Quellen

  • Rewindo GmbH — Recyclingbericht 2024
  • VKR Verband der Kunststofffenster-Industrie — Jahresbericht 2025
  • Umweltbundesamt — Bauwirtschaft und Kreislaufwirtschaft
  • ift Rosenheim — Forschungsbericht Recyclat-PVC-Profile
  • DIN EN 14351-1 — Fenster und Außentüren, Produktnorm
  • Saint-Gobain Glass Solutions — Glasrecycling in der Bauwirtschaft
  • Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. (bvse) — Statistik 2024

Stand: 5. Mai 2026

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Über den Autor

Sabine Hoffmann

Sabine Hoffmann ist leidenschaftliche Gartenexpertin und Biologin mit über 15 Jahren Erfahrung in der naturnahen Gartengestaltung. Die 42-jährige Diplom-Biologin aus Bayern hat sich auf heimische Wildpflanzen und ökologische Gartenkonzepte spezialisiert. Sie begleitet Hobbygärtner dabei, ihren Garten in einen blühenden Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Wildtiere zu verwandeln. Bei Ländlich Fein teilt sie ihr Wissen über nachhaltige Anbaumethoden, Saatguterhalt und die Schönheit der heimischen Flora.

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